Pfarrbackhaus von 1615 Brelingen, Martin-Müller-Str. 21
„Zur Hofstelle Nr. 62 [in Brelingen] gehört ein instand gesetztes, heute massiv ausgefachtes Backhaus (mit kombinierter Speicherfunktion, ev. nur Speicher; Raseneisensteinausfachung (historisch, ohne Bild), das im Vergleich zum Gemeindebackhaus die jüngere Verstrebung der langen Fußstrebe (ohne Kopfband) und durchweg gezapfte Gebäude über einen eingearbeiteten Schüttboden unterhalb des plattigen Hochrähms, dem die Sparren direkt aufliegen (1. Hälfte 18.Jh.).
Diesem Beispiel ist ein weiteres Backhaus auf der historischen Halbmeierstelle Martin-Müller- Straße 21 anzuschließen, das als Wandständerbau laut Bauinschrift im Jahr 1615 entstand. Auffallend ist hier der Verzicht auf durchgezapfte Ankerbalken, wie sie zu dieser Zeit regelhaft anzutreffen sind. Stattdessen wurde der durch Kopfwinkelhölzer abgetragene Brustriegel wie auch die Schüttbodenbalken eingezapft. Bemerkenswert ist seine reiche Verzierung, das Nebeneinander von Wellenband, Würfelfries und Eierstab.“
"Hinter dem um 1900 errichteten, von einigen alten Bäumen (Mammutbaum, Tulpenbaum, Linden) gerahmten zweigeschossigen Gemeindehaus in Ziegelbauweise zeichnet sich eine bauliche Rarität des Landkreises ab, das historische, in situ erhaltene Gemeindebackhaus mit zwei Backöfen für Brot und Feingebäck sowie einem Trockenofen für Obst ... .
Wie viele Vertreter seines Typs zimmerte man auch diesen Wandständerbau in Ankerbalken (durchgezapft) / Hochrähmkonstruktion ab ... und versteifte seine weit gesetzten kräftigen Ständer (30 cm Breite) durch gekehlte Kopfbänder.
Um 1900 wurde das Gebäude massiv ausgefacht - Teile seiner Lehmstakung blieben dennoch erhalten und wurden bei der behutsamen Sanierung 1987 erneuert. Nach der aus Mönch- und Nonnenziegeln geschichteten Gewölbekonstruktion des äußeren Brotbackofens und den Taubandknaggen im Bereich des Kniestocks zu urteilen entstammt das inzwischen wieder voll funktionsfähige, von imposanten Linden überschattete Backhaus vielleicht noch dem frühen 17.Jh.
Das Kirchhofensemble ergänzt ein klein dimensioniertes Vierständerhallenhaus des Baujahres 1797 (Bauinschrift), im Stil der Zeit ... . Die bescheidenen Ausmaße entsprechen dem Rang der Hofstelle als Anbauerstelle, die die Quellen für das Jahr 1770 schließlich als Brinksitzerstelle bestätigen. Das auf dem Pfarrhof errichtete Gebäude diente jedoch nicht als Küsterei, sondern hatte seinerseits Abgaben an die Pfarre und Küsterei Brelingen zu entrichten.
Quelle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in NiedersachsenRegion Hannover, Teil 2 13.2, S. 493f.